Zwei Jahre weiterbildung in Sportphysiotherapie - Was für ein meilenstein

Vor etwas mehr als zwei Jahren hatte ich eine Art Glaubenskrise. Im Januar 2018 schloss ich erfolgreich mein Bachelorstudium an der DSHS Köln ab. Aber dann kam das Loch.


Wie auch viele andere Absolventen fühlte ich mich, als könnte ich alles ein bisschen, aber nichts wirklich gut. Hatte halt überall mal reingehört, von allem ein bisschen gelernt, aber nichts so richtig. Da fehlte noch was. Der nächste Schritt. Aber wohin?


Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits zwei Jahre als Personal & Athletik Trainer tätig und hatte auch folgendes gemerkt: Wenn meine Kunden & Athleten mit Verletzungen geplagt waren, hatte ich nicht so wirklich einen Plan, wie ich damit umgehen soll. Und das hat mich genervt! Denn ich sehe es als festen Bestandteil meiner Rolle an, Menschen auch nach einer Verletzung wieder in den Alltag oder zurück in den Leistungssport zu bringen.


Also fing ich an zu überlegen. SEHR VIEL ZU ÜBERLEGEN. Starte ich nochmal von vorne?
Werde ich Physiotherapeut? Osteopath?
Mache ich doch mit Trainingswissenschaften weiter? Hat das denn eine Zukunft?

Über fast ein halbes Jahr lang war folgender Verlauf an der Tagesordnung: Ich bin morgens aufgewacht, und habe fest geglaubt, dass ich einen Master in Trainingswissenschaften machen möchte, habe den ganzen Tag über gezweifelt und bin abends mit der Überzeugung eingeschlafen, dass ich doch Physiotherapeut werden möchte.


Over. And. Over. Again. Every. Damn. Day.


Das war verdammt hart und hat damals viel von meinem Selbstvertrauen genommen und mich weiter verunsichert.


Im September 2018 traf ich dann die Entscheidung: Ich mache meinen Master in Strength & Conditioning an der St. Mary's University in London, bleibe also den Trainingswissenschaften treu. Zusätzlich begann ich im Oktober 2018 eine zweijährige Weiterbildung in Sportphysiotherapie bei der spt education.


Diese Doppelbelastung nahm ich bewusst auf mich, um die Brücke zwischen Training und Rehabilitation zu bilden. Das war der Kompromiss, den ich eingehen wollte.

Damit ich mich disziplinübergreifend mit Physiotherapeuten auf einer Ebene unterhalten kann.
Damit ich endlich einen Plan habe, wie ich meinen Kunden und Athleten auch bei Verletzungen und körperlichen Beschwerden systematisch helfen kann.

Das zeitliche Commitment war teils wirklich fordernd: Masterstudium in einer anderen Sprache, Wochenend-Seminare von Freitag-Sonntag, "nebenbei" meine Selbstständigkeit ausbauen und noch ein Privatleben haben.


Zeitsprung in den Oktober 2020:


Letztes Wochenende habe ich meine Prüfung bei der spt erfolgreich abgelegt, die Weiterbildung in Sportphysiotherapie abgeschlossen und könnte kaum glücklicher sein mit den Entscheidungen, die ich vor zwei Jahren getroffen habe.




Heute (Oktober 2020) arbeite ich als Personal Trainer mit Menschen aus dem normalen Leben sowie mit ambitionierten Freizeitsportlern und darf als Athletiktrainer ein Basketball-Team in der zweiten Bundesliga unterstützen.


Ich bin wieder auf Kurs, und absolut happy und dankbar dafür, wo ich gerade bin. Fühle mich sicher und selbstbewusst und blicke voller Vorfreude auf die nächsten Kapitel, in denen ich wieder neues lernen werde.

Stay Tuned, Leute - ich habe Pläne

Und falls du das gerade liest und dich vielleicht in einer ähnlichen Situation befindest, wo du nach einem abgeschlossenen Studium an dir zweifelst. Wo du nicht genau weißt, wohin mit dir und deinem Leben. Falls du denkst, du hast von allem ein bisschen gelernt, aber nichts wirklich richtig...


Glaub' mir, du bist damit nicht alleine. Mir ging es auch so, genau wie tausenden zuvor und wie tausenden auch jetzt in diesem Moment. Manchmal ist es tough, wenn man nicht wirklich den Durchblick hat und vor einem Scheideweg steht. Ich versuche mich dann immer daran zu erinnern, dass es selten "richtige" oder "falsche" Entscheidungen gibt.

Es gibt viel mehr unterschiedliche Entscheidungen, die zu unterschiedlichen neuen Möglichkeiten und Wegen führen.

Melde dich gerne bei mir, wenn du jemanden zum Reden brauchst, der auch schonmal an genau diesem Punkt gewesen ist.


- Philip

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